neulich gefunden: Stellungnahme zum Limp Wrist Konzert im AJZ Bielefeld

Am 4.7. veranstalteten die Konzertgruppen „Punkrockgruppe“ und „BBC“gemeinsam ein Konzert mit der amerikanischen homocore Band Limp Wrist, bei der bekannt ist, dass sie als Showelement eine explizite Darstellung männlicher Sexualität haben — d.h. zb fast nackt oder nackt auf der Bühne stehen, Männer aus dem Publikum auffordern sich auszuziehen, was diese teils auch machen. Beide Gruppen haben es, trotz besseren Wissens, nicht für nötig befunden, vorab anzukündigen (über Werbung oder am Eingang), das zu erwarten ist bei diesem Konzert nackte Männer auf der Bühne und im Publikum zu sehen.

Das führte dazu, dass Besucher_Innen des AJZ unfreiwillig und unvorbereitet beim Konzert mit einer fast komplett entkleideten Männer-- Band auf der Bühne und zwei nackten Männern im Publikum konfrontiert wurden. Letztere wurden mit einigen Schwierigkeiten durch eine Person
aus dem Publikum und einer veranstaltenden Person dazu gebracht, sich wieder anzuziehen. Nicht ohne dafür unterschiedlichste Anfeindungen aus dem Publikum ( Homophobie, Unverhältnismäßigkeit, Konservativ sein) und von seitens der Band („nicht wissen was Punk wirklich heißt“) zu kassieren.

Zur Klärung:
Das Einschreiten der beiden Personen war absolut richtig und hat weder etwas mit Homophobie noch konservativ-bürgerlichen Moral- und
Schamvorstellungen zu tun. Das AJZ hat den Anspruch, ein Schutzraum zu sein. Es wird hier kein rassistisches, sexistisches, homophobes oder sog. behindertenfeindliches Verhalten geduldet. Schutzraum heißt in puncto Antisexismus auch, dass hier Personen, die sexualisierte Gewalt und/oder sexuelle Grenzverletzung erfahren haben, hinkommen können ohne Gefahr zu laufen, durch Verhalten, Sprüche, Bilder
etc. an ihre Erfahrungen erinnert zu werden — dabei spricht mensch auch von „triggern“. Eines der Dinge, die triggern können, ist z.B. die Zurschaustellung männl. Sexualität und sexuelle Handlungen (unabhängig welcher sexuellen
Orientierung). So ist es beim Konzert passiert.

Das AJZ ist nicht sex- oder körperfeindlich, aber weil es ein Schutzraum ist, gehen sexuelle Handlungen (darunter fällt auch schon sich
ausziehen), nur unter Zustimmung aller daran Beteiligten. Wäre dem Konzert die am Anfang beschriebene Ansage vorweg gegangen, so
wäre eine Zustimmung des Publikums gegeben gewesen – die Menschen die keinen Bock auf nackte Männer haben, wären zu Hause geblieben oder wieder gegangen.
Ohne diese Ansage war ein Einschreiten unumgänglich, um den Schutzraum aufrecht zu erhalten.