Vortrag: Antigenderismus, Antisemitismus und Muslim_innenfeindlichkeit. Sozialpsychologische Überlegungen zum ideologischen Syndrom der extremen Rechten

Referent: Sebastian Winter – Wann? 09.11.2017 18:00 Uhr – Wo? Uni Bielefeld H10

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Der Kampf gegen den „Genderismus“ vereint die extreme Rechte von AfD bis NPD und findet Anklang bis hin zu FAZ und Spiegel. Bereits die konservative Revolution der 1920er Jahre propagierte den Kampf gegen als „verjudet“ interpretierte Transformationsprozesse der Geschlechterordnung. Im Nationalsozialismus wurde dann unter dem Vorzeichen der Volksgemeinschaft eine „neue Synthese“ der Geschlechter verhießen, die frei sei von den zersetzenden Einflüssen der Frauenemanzipation, aber auch von „Lüsternheit“ und allem Künstlichem. Heute richtet sich die Stoßrichtung gegen staatliche Gleichstellungspolitik, liberalen Sexualkundeunterricht, feministische Kritik und jede Denaturalisierung des Geschlechtlichen. Verschwörungstheoretisch wird eine „Gender-Lobby“ als dahinter treibende dunkle Kraft vermutet, welche die Deutschen umerziehen will – und wieder finden sich (strukturell) antisemitische Assoziationen. Scheinbar paradox wird gleichzeitig oftmals die Ablehnung von „Frauenunterdrückung“ und Judenfeindschaft demonstrativ betont. Man stehe hier als gute Deutsche oder guter Deutscher ganz im Gegensatz zu „den Moslems“ und „NAFRIs“. Die Muslim_innenfeindlichhkeit dient als Ausweis der Anti-Nazi-Gesinnung.
Sexuelles Ressentiment und massenpsychologische Projektion, nationaler Aufarbeitungsstolz und Wiederkehr des Verdrängten: In dem Vortrag werden die verschiedenen Feindbilder auf ihre affektive Anziehungskraft hin psychoanalytisch-sozialpsychologisch diskutiert.

Organisiert von FemRef* und Antifa AG Bielefeld